Likeness (2026)

Im Projektraum des Museums Katharinenhof in Kranenburg zeigt die Künstlerin Anne Schülke ab Sonntag, 15. März 2026 die Ausstellung „Likeness“. Der Titel spielt auf Ähnlichkeit und Wiedererkennbarkeit an. Er lenkt den Blick auf die empfindliche Verbindung zwischen Körper, Bild und Ich-Gefühl. Diese Spannung bildet das Zentrum der gezeigten Arbeiten, die während ihres Arbeitsaufenthalts im Rahmen des Programms Borderland Residencies zwischen September 2025 und Februar 2026 entstanden sind. „Borderland Residencies“ ist ein internationales Künstler*innen-Programm in der Region Maas-Rhein.

Die titelgebende Videoinstallation „Likeness“ besteht aus zwei Plexiglas-Scheiben, auf die zwei Videos projiziert werden. Die Videos zeigen Körper: Die Künstlerin bewegt sich im Gaststudio vor einer Videokamera. Sie trägt einen Anzug, der den ganzen Körper bedeckt, und macht jede Bewegung zweimal. So entsteht ein Spiel zwischen Gleichheit und kleinen Unterschieden. Anne Schülke greift Bewegungen aus früheren Arbeiten wie „White Balance“ oder „Subcooled“ auf und entwickelt sie weiter.

Die Plexiglas-Scheiben hängen frei im Raum. Die betrachtende Person steht nah an den Scheiben, denn der kleine Raum lässt keine große Distanz zu. Es kann ein intensives Gefühl von Nähe entstehen. Die Arbeit lädt dazu ein, darüber nachzudenken, wie Sehen und Spüren mit dem Erkennen der eigenen Person im Gegenüber zusammenhängen.

Die zweite Arbeit, „White Balance (Wandobjekt)“, erweitert dieses Nachdenken in den Bereich des Materials. Ein Stahlrahmen trägt Stoffstücke, die Körperdarstellungen zeigen und mit Magneten übereinander befestigt sind. Die übereinanderliegenden Stoffe lassen das Bild der unteren Schicht durchscheinen – eine Überblendung, die man sehen und auch symbolisch verstehen kann. Was man sehen kann, verweist auf das, was man nicht direkt sieht. Es deutet auf einen Körper hin, der sich ständig bewegt und verändert.

In beiden Arbeiten geht es darum, wie unser Körper, sein Bild und unser Ich-Gefühl verbunden sind. Für Anne Schülke ist es der Körper, der das Erleben des Ich ermöglicht. Der andere Mensch kann Gewalt und Auslöschung bedeuten oder Zärtlichkeit und Freiheit schenken. Diese Haltung berührt ganz persönliche, aber auch gegenwärtige ethische Fragen, die über den Menschen hinausweisen: Wenn eine Software wie zum Beispiel ChatGPT, so wahrgenommen wird, als sei sie ein eigenes Ich, dann fragt man sich: Braucht man einen eigenen Körper? Denn dann wären nur Sprache und Intelligenz entscheidend, ob etwas als bewusst und als eigenständiges Ich wahrgenommen wird – nicht mehr der verletzliche, lebendige Körper. Schülkes Arbeiten setzen dem etwas entgegen und zeigen den Körper als Ort, an dem ein eigenes Ich entsteht.

Über diese ästhetischen Fragen hinaus schafft die Ausstellung einen Raum des Austauschs: Die Projektionen und das Wandobjekt laden dazu ein, konkret über die Darstellung von Körpern und die Produktion von Bildern nachzudenken. Am 3. Mai 2026, am letzten Tag der Ausstellung, findet um 11 Uhr eine Gesprächsrunde mit der Künstlerin Anne Schülke statt. Interessierte können sich bei dem Leiter des Projektraums Peter Schünemann anmelden: peter.schuenemann@museumkatharinenhof.de.

Über die Räume des Projektraums hinaus setzt sich die Ausstellung im Außenraum fort: In der Nähe des Projektraums, in einem alten Trafoturm, hängt ein Monitor, auf dem das Video „White Balance (Einkanalversion)“ von 2024 läuft. Darüber ist ein großes Banner mit einem Bild aus dem Video angebracht.

Likeness (Edition), 2026